Buchrezension: „Bordelle“ von Yoshiko Kusano

Buchrezension zu "Bordelle"

Buchrezension "Bordelle"

Rezension zu dem Bildband „Bordelle“ von Yoshiko Kusano. Erschienen 2015 im Verlag Scheidegger & Spiess AG, Zürich; 112 Seiten, 38 €.

Beschreibung:
Der 2015 erschienene, kleine Bildband „Bordelle“ von Yoshiko Kusano zeigt Bilder der Inneneinrichtung von Bordellen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Japan.
2007 erhielt die Fotografin für ihre Arbeit „Bordelle“ den Werkbeitrag für Fotografie des Kantons Bern.
Der Bildband ist im handlichen Format, außen mit rotem Einband und schwarzer Schrift; innen jeweils vorne und hinten begrenzt durch zwei schwarze Blätter, bevor es zum Vorwort von Nadine Olonetzky und den Fotografien übergeht.

Inhalt Bildband:
Die Bilder sind in Farbe, teils einseitig, teils über zwei Seiten sich erstreckend. Gezeigt werden nur die Räumlichkeiten als Stillleben oder einzelne Details wie ein Telefon mit zugehöriger Liste der Durchwahl verschiedener Zimmer, bspw. dem Spiegel-, Tiger- oder Barbie-Zimmer. Auch zu sehen ist ein Wartebereich mit den typischen roten Lederstühlen mit Armlehne. Die Zimmer sind wie so oft rot, mit viel Teppich und Vorhängen. Manchmal sind Poster von Popstars, bspw. Britney Spears an den Wänden. Verstörend finde ich in einem Bordellzimmer Poster von pornösen Bildern während des Akts oder Jesus-Poster aufzuhängen. Auch sieht man oft den Playboy-Bunny, Lichterketten, rote Herz-Lampen oder das rote „Ich liebe Dich“-Kuschelherz. Ganz präsent ist auch der IKEA-Wellenspiegel oder -Bettwäsche.
Oft zu sehen sind auf den Nachttischchen die typischen Utensilien wie Kondome, Massageöl, Küchenrolle oder ein Aschenbecher.
Leider stehen bei den Aufnahmen weder das Land, noch ein Aufnahmedatum dabei. Zu vermuten ist aber, dass die Bilder in den frühen 2000ern entstanden, da abgebildete CD-Player und Poster von Britney Spears und Christina Aguilera darauf hinweisen.

Beurteilung des Vorworts:
Das Vorwort von Nadine Olonetzky hätte man sich allerdings sparen können. Es wirft auf die eigentliche Intention der Fotografin einen (positiven?) Einblick ins Rotlichtmilieu zu geben, wofür sie sich auch am Ende bei all denen bedankt die ihr die Türe geöffnet haben – ein denkbar schlechtes Licht.

Zitatauszüge des Vorwortes „Im roten Licht“ von der Lektorin N. Olonetzky des Herausgeber-Verlags Scheidegger & Spiess:
„Das Sexbusiness ist ein Drecksgeschäft. Wer etwas anderes behauptet verdreht die Tatsachen. […] …und wie viele Frauen habe ich keine Ahnung, was es wirklich bedeutet: in einem der Räume, die Yoshiko Kusano fotografiert hat, zu stehen. […] Ausgesetzt zu sein. […] Etwas hautnah und in meinem Körper über mich ergehen zu lassen.
[…]
Die Puffmutter, der Zuhälter hat sie im Würgegriff. Sie haben kein Geld, der Pass ist eingeschlossen.
[…]

Dazwischen ein paar Andeutungen, dass es auch freiwillig und selbstständig arbeitende Sexarbeiterinnen gibt – dies jedoch wahrscheinlich nur der Vollständigkeit halber und nicht wieder gut zu machen durch die vorstehenden Aussagen. Getoppt wird das ganze noch mit folgendem, katastrophalen Schlusssatz:
“Erschreckend konform? Das Liebevolle und das Biedere, das Anstössige und das Abartige in diesen Räumen kommen wie das Brutale und das Menschenverachtende aus dem Herzen der Gesellschaft.”

Fazit:
Insgesamt, trotz des unglücklichen Vorworts, ein empfehlenswerter, kleiner Bildband für „Rotlicht-Fetischisten“ als reale, bildliche Dokumentation und für die Sammlung an Zeitzeugnissen einer unwiederbringlichen Zeit des Rotlichtmilieus.